Wärmepumpe oder Gasheizung: der ehrliche Kostenvergleich
Gasheizung oder Wärmepumpe? Was beide in der Anschaffung kosten, was im Betrieb, und welche Rolle CO2-Preis und Bio-Treppe spielen.
Stand: 6. Oktober 2026. Von Wärmerix, Wärmepumpen-Fachbetrieb in Wolfenbüttel.Eine neue Gasheizung ist in der Anschaffung deutlich günstiger, eine Wärmepumpe im Betrieb. Mit den Durchschnittspreisen vom Herbst 2026 spart eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im typischen Einfamilienhaus schon bei vorsichtiger Rechnung rund 800 Euro im Jahr gegenüber Gas, dazu kommen Förderung und kein CO2-Preis. Ob sich der Mehrpreis rechnet, hängt vor allem davon ab, wie teuer Gas nach 2028 wird, wenn der CO2-Preis am Markt gebildet wird und neue Gasheizungen Biomethan beimischen müssen.
Die Anschaffung im Vergleich
Für eine neue Gaszentralheizung im Einfamilienhaus nennt co2online (Stand Mai 2026) 6.000 bis 9.000 Euro für den Wärmeerzeuger und rund 10.000 Euro für den kompletten Austausch mit allen nötigen Umbauten. Zuschüsse für reine Gasheizungen gibt es nicht mehr.
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe kostet im Bestand ein Vielfaches. Für das Beispiel unten nehmen wir an, dass ein vollständiges Angebot mit Einbau, Elektrik und hydraulischem Abgleich bei 36.000 Euro liegt. Die üblichen Spannen aus echten Angeboten zeigt der Ratgeber Wärmepumpe Kosten. Davon zieht die KfW im Programm 458 Stand Oktober 2026 mindestens 30 Prozent von höchstens 28.000 Euro förderfähigen Kosten ab, mit Klimageschwindigkeitsbonus und Einkommensbonus auch deutlich mehr. Für Anträge ab 2027 sind Änderungen an den Fördersätzen angekündigt, den aktuellen Stand finden Sie auf unserer Seite zur Förderung.
| Annahme | Gasheizung | Wärmepumpe, 30 % Förderung | Wärmepumpe, 46 % Förderung |
|---|---|---|---|
| Kosten vor Förderung | 10.000 Euro | 36.000 Euro | 36.000 Euro |
| Zuschuss | 0 Euro | 8.400 Euro | 12.880 Euro |
| Eigenanteil | 10.000 Euro | 27.600 Euro | 23.120 Euro |
| Mehrkosten gegenüber Gas | 17.600 Euro | 13.120 Euro |
46 Prozent erhalten Selbstnutzer, die eine mindestens 20 Jahre alte Gasheizung ersetzen und den Antrag bis zum 31. Januar 2027 stellen. Danach sinkt dieser Bonus halbjährlich.
Die Betriebskosten heute
Für die laufenden Kosten rechnen wir mit offengelegten Annahmen. Setzen Sie gern Ihre eigenen Werte ein.
- Das Haus verbraucht heute 20.000 kWh Gas im Jahr. Der Kessel macht daraus etwa 90 Prozent nutzbare Wärme, also 18.000 kWh. Den Faktor 0,9 verwendet auch co2online für solche Schätzungen.
- Gaspreis: 11,93 Cent je kWh, der Durchschnitt für Einfamilienhäuser 2026 laut BDEW-Gaspreisanalyse vom August 2026.
- Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe: 3,0. Das ist bewusst vorsichtig gewählt. Mit diesem Wert rechnet auch das Fraunhofer ISI in der unten genannten Studie, und ihn muss eine geförderte Anlage laut Planung mindestens erreichen. Gut geplante Anlagen schaffen mehr, siehe Jahresarbeitszahl.
- Wärmepumpentarif mit eigenem Zähler: 24 Cent je kWh plus 140 Euro Grundpreis im Jahr, der Durchschnitt aus dem Marktcheck der Verbraucherzentrale NRW (Umfrage August 2025, veröffentlicht Februar 2026).
| Variante | Rechnung | Kosten pro Jahr |
|---|---|---|
| Gasheizung | 20.000 kWh × 11,93 Cent | rund 2.390 Euro |
| Wärmepumpe | 18.000 kWh ÷ 3,0 = 6.000 kWh × 24 Cent + 140 Euro | rund 1.580 Euro |
| Unterschied | rund 800 Euro |
Wartung ist nicht eingerechnet. co2online nennt für Wartung und Schornsteinfeger bei Gas etwa 80 bis 180 Euro im Jahr. Auch eine Wärmepumpe sollte regelmäßig gewartet werden, nur der Schornsteinfeger entfällt. Dieser Posten entscheidet den Vergleich also nicht. Bleiben alle Preise so, wie sie heute sind, holt die Wärmepumpe in diesem Beispiel ihren Mehrpreis nach etwa 16 bis 22 Jahren wieder herein. Das ist die vorsichtige Rechnung. Sie geht davon aus, dass Gas in 20 Jahren genauso viel kostet wie heute und die Wärmepumpe nur die Mindest-Jahresarbeitszahl erreicht. Mit einer Jahresarbeitszahl von 3,4 stiege die Ersparnis im Beispiel auf knapp 1.000 Euro im Jahr.
Was der CO2-Preis für Gas bedeutet
Auf jede Kilowattstunde Erdgas fällt ein CO2-Preis an. Für 2026 gilt ein Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne. Am 15. Oktober 2026 hat der Bundestag beschlossen, diesen Korridor auch für 2027 beizubehalten. Ab 2028 soll der europäische Emissionshandel für Gebäude und Verkehr, kurz EU-ETS 2, den deutschen Brennstoffemissionshandel ablösen. Dann bildet sich der Preis am Markt, eine feste Obergrenze wie heute gibt es nicht mehr.
Wie stark sich das auswirkt, lässt sich aus Angaben der Deutschen Emissionshandelsstelle ableiten: 5 Euro mehr je Tonne verteuern Erdgas um rund 0,11 Cent je kWh inklusive Mehrwertsteuer. Daraus ergeben sich für das Beispielhaus mit 20.000 kWh diese Größenordnungen:
| CO2-Preis je Tonne | Aufschlag je kWh, brutto | CO2-Kosten pro Jahr |
|---|---|---|
| 60 Euro (Referenzpreis 2026) | rund 1,3 Cent | rund 260 Euro |
| 120 Euro (Annahme) | rund 2,6 Cent | rund 530 Euro |
| 200 Euro (Annahme) | rund 4,4 Cent | rund 880 Euro |
Die Werte über 60 Euro sind keine Prognose, sondern Rechenbeispiele. Wo der Preis ab 2028 liegt, weiß heute niemand. Klar ist nur die Richtung: Steigt er, wächst der Abstand zur Wärmepumpe. Bei 120 Euro je Tonne läge die jährliche Ersparnis im Beispiel bei knapp 1.100 Euro, und der Mehrpreis wäre nach etwa 12 bis 16 Jahren wieder drin.
Die Bio-Treppe für neue Gasheizungen
Seit dem 29. Juli 2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz. Wer jetzt eine neue Gasheizung einbaut, muss laut co2online ab 2029 einen steigenden Anteil klimafreundlicher Brennstoffe wie Biomethan beziehen: 10 Prozent ab 2029, 15 Prozent ab 2030, 30 Prozent ab 2035 und 60 Prozent ab 2040. Bestehende Heizungen sind nicht betroffen. Was Biomethan in diesen Mengen kosten wird, ist offen. Details zur Bio-Treppe und zu Ihren Möglichkeiten beim Austausch stehen im Ratgeber Gasheizung ersetzen.
Eine Rechnung über die ganze Laufzeit hat das Fraunhofer ISI im Auftrag des Umweltverbands BUND im April 2026 vorgelegt. Für ein typisches Einfamilienhaus der Baujahre 1958 bis 1968 mit 121 Quadratmetern verglichen die Forscher eine neue Gasheizung mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe (Jahresarbeitszahl 3,0) und bezogen CO2-Preis und Bio-Treppe ein. Ergebnis: Mit Gas könnten die Eigentümer von 2027 bis 2045 zusammen rund 23.700 Euro mehr an Heizkosten zahlen. Auch im Fall sehr hoher Strompreise und niedriger Gaspreise blieb die Wärmepumpe im Betrieb günstiger. Umgerechnet sind das gut 1.200 Euro im Jahr. Bedenken Sie beim Lesen, wer die Studie beauftragt hat, die Annahmen sind aber offengelegt.
Abhängigkeit vom Energiepreis
Mit einer eigenen Solaranlage sinken die Stromkosten der Wärmepumpe weiter, mehr dazu unter Wärmepumpe und Photovoltaik. Dazu kommt ein Punkt, der sich schwer in Euro fassen lässt: Mit einer Wärmepumpe hängen Sie nicht mehr am Gaspreis, dafür am Strompreis. Wie Sie den drücken, steht im Ratgeber Stromtarif für die Wärmepumpe.
Wann die Gasheizung trotzdem gewählt wird
Es gibt Häuser, in denen die Wärmepumpe schwierig ist. Etwa wenn kein Platz für ein Außengerät mit ausreichendem Abstand zum Nachbarn existiert, wenn sehr hohe Vorlauftemperaturen nötig sind und eine Sanierung erst in einigen Jahren möglich ist, oder wenn der Kessel mitten im Winter ausfällt. Dann ist eine Hybridheizung oft der bessere Kompromiss als reines Gas: Die Wärmepumpe übernimmt den Großteil, der Gaskessel nur die kältesten Tage.
Für die meisten Einfamilienhäuser aus den 1960er bis 1990er Jahren gilt aber: Die Wärmepumpe funktioniert, wenn sie sorgfältig geplant ist. Entscheidend sind eine echte Heizlastberechnung und Heizkörper, die mit niedrigen Temperaturen auskommen. Ob das bei Ihnen so ist, klärt der Ratgeber Wärmepumpe im Altbau.
Häufige Fragen
Ist eine Gasheizung auf 20 Jahre gerechnet billiger als eine Wärmepumpe?
Nur wenn der Gaspreis über die ganze Zeit kaum steigt. Die Wärmepumpe ist teurer in der Anschaffung, im Betrieb aber bei heutigen Durchschnittspreisen rund 800 bis 1.000 Euro im Jahr günstiger, und CO2-Preis sowie Bio-Treppe verteuern Gas eher weiter.
Wird meine bestehende Gasheizung durch die Bio-Treppe teurer?
Nein. Die Beimischpflicht gilt nur für Gas-, Öl- und Flüssiggasheizungen, die seit dem 29. Juli 2026 neu eingebaut werden. Den CO2-Preis zahlen Sie aber auch mit der bestehenden Heizung.
Wie hoch ist der CO2-Preis auf Gas im Jahr 2027?
Der Bundestag hat am 15. Oktober 2026 beschlossen, dass 2027 wie 2026 ein Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne gilt. Ab 2028 soll der Preis im europäischen Emissionshandel ETS 2 am Markt entstehen.
Gibt es für eine neue Gasheizung Förderung?
Nein. Laut co2online gibt es für reine Gasheizungen keine Fördermittel mehr. Bei Hybridheizungen fördert die KfW nur den Wärmepumpenteil.
Weiterlesen
- Lohnt sich eine Wärmepumpe im Altbau?Nicht das Baujahr entscheidet, sondern die Vorlauftemperatur. So prüfen Sie Ihr Haus und erkennen, wann eine Wärmepumpe nicht passt.
- Gasheizung ersetzen nach dem neuen HeizungsgesetzKeine Austauschpflicht, aber Bio-Treppe für neue Gaskessel. Welche Alternativen es gibt und wie der Wechsel zur Wärmepumpe abläuft.
- Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetzenVom Test bis zur Tankstilllegung: So läuft der Umstieg von Öl auf Wärmepumpe ab, was er kostet und welche Förderung Sie bekommen.
Quellen
- BDEW-Gaspreisanalyse August 2026
- co2online: Gasheizung, Kosten und Preise für Neukauf und Betrieb (Mai 2026)
- Deutscher Bundestag: CO2-Preis bleibt 2027 auf dem Niveau von 2026 (15.10.2026)
- DEHSt: Was bedeutet die Versteigerungsphase ab 2026 für Verbraucherpreise?
- co2online: Gebäudemodernisierungsgesetz und Bio-Treppe
- Fraunhofer ISI für BUND: Ergebnisse Einzelgebäude, Gaskessel und Wärmepumpe (April 2026)
- Verbraucherzentrale NRW: Marktcheck Stromtarife für Wärmepumpen (Februar 2026)
- KfW: Heizungsförderung für Privatpersonen, Wohngebäude (458)